Deutsche Bank

Nichtfinanzieller Bericht 2017

Für die Aspekte, die wir in diesem Kapitel darstellen, beschreiben wir unseren bankweiten Ansatz und ergänzen immer dann Informationen, wenn unsere Aktivität aufgrund bereichsspezifischer Kriterien darüber hinaus geht. Sofern wir keinen bankweiten Ansatz verfolgen, beschreiben wir das Vorgehen in den jeweiligen Geschäftsbereichen.

Angemessenheit und Eignung von Produkten

Die Deutsche Bank schließt nur Geschäfte ab, bei denen sie hinreichend sicher ist, dass ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung für den jeweiligen Kunden angemessen und geeignet ist. Wir beachten dabei entsprechende lokale Gesetze und Vorschriften und ergreifen geeignete Maßnahmen, um dies zu überprüfen.

Am 3. Januar 2018 traten die Finanzmarktrichtlinie MiFID II und die Finanzmarktverordnung MiFIR in Kraft. Die neuen Regelungen betreffen die gesamte Bank und alle Kundengruppen. Wir haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend geschult, Kunden fristgerecht informiert und unsere IT-Systeme angepasst.

Gemäß MiFID II identifizieren wir Produkte, die am besten zu den Bedürfnissen unserer Kunden passen. Unsere Produkte müssen bestimmten Anforderungen genügen, zum Beispiel bezüglich des Risikos, der Komplexität, der Transparenz und der Kundenbetreuung (After-Sales-Support). Wir bewerten die individuelle Produktqualität und wählen das Produkt aus, das zum Kunden und seinem Investitionsverhalten passt. Unser Grundprinzip ist: Es sollen keine Produkte vertrieben werden, wenn offensichtlich ist, dass der Kunde

  • das Produkt nicht benötigt,
  • sich das Produkt mittel- bis langfristig nicht leisten kann,
  • das Produkt nicht verstanden hat oder
  • ein abweichendes Risikoprofil hat.

Wir prüfen auch sorgfältig, ob wir eine Geschäftsbeziehung mit externen Produktanbietern eingehen. Wir möchten sicherstellen, dass die hohen Qualitätsstandards eingehalten werden, die mit unseren eigenen Richtlinien und den Bedürfnissen unserer Kunden übereinstimmen.

Wir speichern die Aufzeichnungen zu unseren Analysen für bestimmte Kundengruppen und vermerken, wenn wir einen Kunden darauf hinweisen, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung für ihn nicht angemessen ist oder wir nicht genügend Informationen für eine Analyse erhalten haben und ob ein Geschäft in einem solchen Fall trotzdem zustande kam.

Unsere Prozesse, wie wir neue Produkte genehmigen (New Product Approval, NPA) bzw. bestehende Produkte systematisch überprüfen (Systematic Product Review, SPR) bilden gemeinsam unser Produktlebenszyklus-Rahmenwerk. Es bildet die Grundlage dafür, dass wir unseren Kunden geeignete Produkte und Dienstleistungen anbieten können.

Das Rahmenwerk dient dazu, mit Risiken umzugehen, die mit der Einführung neuer Produkte sowie mit Änderungen bei bestehenden Produkten und Dienstleistungen während des Produktlebenszyklus zusammenhängen. Es definiert den Prozess, der systematisch sicherstellen soll, dass unsere Produkte und Dienstleistungen geeignet sind und mit den Bedürfnissen, Merkmalen und Zielen der Zielmärkte während der gesamten Nutzung übereinstimmen.

Wir wenden vergleichbare Prozesse konzernweit an. Der NPA-Prozess zielt auf die Phase vor der Einführung von Produkten und Dienstleistungen und der SPR-Prozess auf die periodische Überprüfung danach ab.

Darüber hinaus liefern Prozesse zur Genehmigung neuer Geschäfte in der Unternehmens- und Investmentbank ein Rahmenwerk für die Koordination, Dokumentation und den Umgang mit Risiken, die mit bestimmten Transaktionen, einschließlich der Restrukturierung bestehender Geschäfte, verbunden sind, die bestimmte vordefinierte, risikobasierte Eskalationsmerkmale erfüllen. Diese sogenannten strukturierten Geschäfte unterliegen einer strengeren Prüfung mithilfe des Rahmenwerks.

Wir achten auf eine konsistente Qualitätskontrolle durch klar geregelte Positionen, Verantwortlichkeiten und Standards, die die Einhaltung des Rahmenwerks überwachen sowie Schulungen und einen Red-Flag-Prozess, der Korrekturmaßnahmen ermöglicht, umfassen. Fachexperten aus verschiedenen Abteilungen sind an unseren NPA- und SPR-Prozessen beteiligt. Auf diese Weise können wir die geltenden technischen, Rechnungslegungs- und aufsichtsrechtlichen Standards sowie anzuwendende rechtliche, Compliance- und Kontrollvorschriften identifizieren. Zudem werden alle neu entwickelten Produkte und alle Änderungen bestehender Produkte von wichtigen Kontrollfunktionen wie Compliance und der Abteilung gegen Geldwäsche (Anti-Money-Laundering, AML) überprüft. NPA-Ausschüsse in den Regionen und den Geschäftsbereichen überprüfen Produktentwicklungen, die als wesentlich eingestuft wurden. Dies ist zum Beispiel bei solchen Produkten der Fall, die neue Risikofaktoren beinhalten oder neue Geschäftsfelder betreffen. Bei Bedenken beispielsweise in Hinsicht auf Reputationsrisiken, eskalieren wir diese an die regionalen Ausschüsse oder den Konzernausschuss für Reputationsrisiken.

Die hier beschriebenen Vorkehrungen gelten für alle Geschäftsbereiche. Darüber hinaus haben wir weitere Grundsätze entwickelt, die insbesondere dem Schutz unserer Kunden in der Privat- und Firmenkundenbank dienen.

Privat- und Firmenkundenbank

Sowohl im Heimatmarkt Deutschland als auch international betreuen wir Privatkunden, anspruchsvolle Kunden im Private Banking und im Wealth Management sowie Firmenkunden.

Produktgrundsätze

Wir haben Grundsätze für die Privat- und Firmenkundenbank entwickelt, die Mindeststandards für unsere Produktlinien definieren. Sie verpflichten uns, ausschließlich ethisch vertretbare und transparente Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Darüber hinaus wollen wir unsere Kunden verantwortungsvoll und vorausschauend beraten, wie es ihren Bedürfnissen entspricht, und ihnen die jeweiligen Chancen und Risiken aufzeigen.

  • Unsere Produkte haben Bezug zur Realwirtschaft.
  • Sie sind transparent und leicht zu verstehen.
  • Sie schaffen Vorteile.
  • Sie dienen dem Einzelnen, ohne der Allgemeinheit Schaden zuzufügen. Das heißt, das angebotene Produkt sollte nicht verbunden sein mit:
    • Spekulationen auf Lebensmittelknappheit oder Engpässe, die sich auf die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln
    • auswirken könnten,
    • Wetten auf den Tod, Krankheiten, Invalidität oder Insolvenz,
    • der Herstellung und dem Verkauf von Kernwaffen, Streumunition und Landminen,
    • der Förderung oder Nutzung von Kinderarbeit,
    • Straftaten wie Drogenhandel, Geldwäsche und Korruption sowie
    • der Verletzung der Menschenrechte.

Die Prozesse und Prinzipien sind so gestaltet, dass gesetzliche und regulatorische Anforderungen (inklusive Produktverbote) eingehalten werden.

In der Postbank hat der Kundenbeirat die Aufgabe, Leistungen und Produkte der Postbank kritisch zu prüfen, Verbesserungen vorzuschlagen und neue Produkte und Dienstleistungen mitzuentwickeln. Auf diese Weise kann die Kundenperspektive entscheidend dazu beitragen, dass die Produkte und Dienstleistungen der Postbank stets besser, verständlicher und unkomplizierter werden und somit die Qualität des Kundenerlebnisses erhöht wird. Der Beirat besteht ausschließlich aus Kunden der Postbank und steht unter der Schirmherrschaft des für Privatkunden zuständigen Vorstandsmitglieds. Auf Anregung des Beirats werden zum Beispiel seit November 2017 neuartige Kundenberatungsboxen in 30 Filialen eingebaut. Sie sind klimatisiert und schallgedämmt, um den Komfort und die Vertraulichkeit während der Beratung zu verbessern.

In der Wertpapierberatung empfehlen wir sowohl eigene Produkte, als auch Produkte von anderen Anbietern (offene Architektur). Dank unserer breiten Marktabdeckung können wir die Produkte identifizieren, die am besten zu den spezifischen Kundenbedürfnissen passen. Wir bewerten die individuelle Produktqualität und wählen das Produkt aus, das zum Kunden und seinem Investitionsverhalten passt. Unsere Produktrichtlinien definieren auch ausdrücklich Produkte, zu denen wir keine Beratung anbieten. Wir beraten und strukturieren zum Beispiel keine Produkte und nehmen keine Produkte in die diskretionäre Vermögensverwaltung auf, die in Agrargüter investieren, und wir beraten keine sogenannten Differenzkontrakte[1] (Contracts for Difference, CFDs).

[1] Ein Differenzkontrakt (CFD) ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien, die in der Regel als „Käufer“ und „Verkäufer“ bezeichnet werden. Der Verkäufer zahlt dem Käufer die Differenz zwischen dem aktuellen Wert eines Vermögenswertes und seinem Wert zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses (bei einer negativen Differenz zahlt der Käufer an den Verkäufer). CFDs sind derivative Finanzinstrumente, die es ermöglichen, von steigenden (Long-Positionen) oder fallenden Kursen (Short-Positionen) zu profitieren und auf diese Märkte zu spekulieren.