Deutsche Bank

Nichtfinanzieller Bericht 2017

Unser Geschäftsumfeld

Wirtschaftliches und regulatorisches Umfeld

Unsere Strategie und unser Geschäftsmodel unterliegen einer Vielzahl politischer, juristischer und regulatorischer Ordnungen (oft mit extraterritorialer Wirkung). Wir informieren uns aktiv über politische und regulatorische Entscheidungsprozesse und bringen uns ein, wo es möglich und nötig ist. Dies ist unverzichtbar, um weitreichende Entwicklungen und Veränderungen in unserem regulatorischen Umfeld zu verstehen und um das Vertrauen von Interessengruppen in die Bank zu stärken.

Unser Geschäftsmodell wird derzeit auch durch eine verstärkte Fragmentierung der politischen Kräfte beeinflusst, in Deutschland wie auch international. Im Jahr 2017 gab es unter anderem entscheidende Wahlen in Frankreich, Großbritannien und Deutschland sowie eine neue Regierung in den USA. Dem offiziellen Antrag Großbritanniens auf Austritt aus der EU folgten entsprechende Verhandlungen. Der Brexit wird auch einige Auswirkungen auf unsere Unternehmensstruktur und Tätigkeiten, unsere Kundenbeziehungen sowie unsere Personalbesetzung haben. Des Weiteren beeinflusst die vom US-Kongress verabschiedete umfangreiche Steuerreform unmittelbar die Steuersituation in den USA. Politische Entwicklungen in der Eurozone (wie zum Beispiel wichtige nationale Wahlen) wirken sich auf die Stabilität der Finanzmärkte, Marktpreise und langfristige Investitionsentscheidungen von Unternehmen aus und beeinflussen damit unsere gesamte Wertschöpfungskette.

So zeigt der Vergleich des ersten Halbjahres 2017 mit dem Höhepunkt des Booms im ersten Halbjahr 2007, wie sich die Zusammensetzung der Erträge hin zu stabileren Komponenten verschoben hat. Der Anteil unseres Handelsergebnisses an den Erträgen ist gesunken und der Anteil des Zinsüberschusses ist auf mehr als die Hälfte der gesamten Erträge gestiegen.

In den vergangenen Jahren sind weitere Themen wichtiger geworden, die wir ebenfalls aufmerksam verfolgen – auch unter den Aspekten der Nachhaltigkeit: die Finanzkriminalität und der Kampf dagegen, die Digitalisierung und Datensicherheit, der demografische Wandel sowie Umweltthemen und soziale Entwicklungen.

Finanzkriminalität

In den vergangenen drei Jahrzehnten sind die globalen Finanzströme exponentiell gewachsen. Dies hat einerseits die Weltwirtschaft und den Wohlstand wachsen lassen, andererseits zeigen sich auch die Schattenseiten, wie zum Beispiel die Finanzkriminalität. Sie hat viele Formen, kennt keine Grenzen und entwickelt sich rasant weiter. So hat dieselbe Infrastruktur, die den weltweiten Austausch von Waren und Kapital unterstützt und die Freizügigkeit im Personenverkehr gewährleistet, auch neue Sicherheitsbedrohungen ermöglicht. Die Vereinten Nationen schätzen, dass Geldwäsche jedes Jahr bis zu 5 % der globalen Wertschöpfung ausmacht. Daher verstärkt die Bank ihre Maßnahmen im Kampf gegen Finanzkriminalität (Anti-Financial Crime, AFC) laufend.

Digitalisierung und Datensicherheit

Digitale Großunternehmen und junge IT-Unternehmen stellen bestehende Strategien und Geschäftsmodelle etablierter Unternehmen in Frage. Die Digitalisierung eröffnet ihnen aber auch die Chance, neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und sich eine führende Position in der digitalen Welt zu sichern. So unterstützt die Digitalisierung unter anderem Selbstbedienungsangebote und ermöglicht es, Dienstleistungen für Kunden orts- und zeitungebunden anzubieten. Erfolgreiche Unternehmen erleichtern ihren Kunden den Zugang, indem sie die Zahl der erforderlichen Schritte und die Komplexität von Prozessen senken, und sie entwickeln neue Produkte und Dienstleistungen für ihre Kunden. Mithilfe der Digitalisierung ist eine Expansion möglich, deren Umfang und Geschwindigkeit sich deutlich von den Wachstumsmöglichkeiten in der einst rein analogen Welt unterscheidet. Mit zunehmendem Wettbewerb und der rasanten Weiterentwicklung von Technologien müssen sich Unternehmen darauf konzentrieren, die Probleme ihrer Kunden zu lösen und Produkte und Dienstleistungen nutzerfreundlich zu gestalten.

Gleichzeitig wird IT-Sicherheit in allen Lebensbereichen wichtiger. Dies ist unter anderem eine Folge der gestiegenen Zahl digitaler Transaktionen sowie der Tendenz, dass sich der Datenzugriff von stationären Rechnern in Haushalten und Unternehmen mehr und mehr in die sogenannte Cloud verlagert hat und verstärkt über leistungsstarke mobile Geräte erfolgt. Dies ist ein wichtiges Signal für traditionelle Banken, denn gerade bei sensiblen Finanzdaten reagieren Kunden zu Recht besorgt auf Ausspähpraktiken und potenziellen Datenmissbrauch.

Demografischer Wandel

Über die kommenden Jahrzehnte wird der demografische Wandel die heutigen Absatzmärkte verändern. Eine weltweit alternde Bevölkerung und ein rückläufiges Bevölkerungswachstum in vielen Ländern werden Kundenbedürfnisse beeinflussen. Der demografische Wandel, weniger geradlinige Berufswege und die steigenden Ansprüche von Mitarbeitern an ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Berufs- und Privatleben erfordern auch vom Finanzsektor, sich als Arbeitgeber neu zu positionieren. Dies ist besonders wichtig für die Personalplanung und –entwicklung. So muss zum Beispiel berücksichtigt werden, wie die Digitalisierung und eine Mehr-Generationen-Belegschaft die Bindung der Mitarbeiter zum Unternehmen und die Führungsstile beeinflussen.

Umwelt und soziale Entwicklungen

Die UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen greifen die drängendsten wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit auf. Dazu zählen auch Herausforderungen, die in einem engen Zusammenhang mit der globalen Erderwärmung stehen. In diesem Kontext blieb das Thema Klimawandel und dessen Auswirkungen ein Schwerpunktthema im öffentlichen Diskurs. Während des G20-Gipfels in Hamburg bestätigten beispielsweise19 der 20 Vertreter der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ihr Festhalten am Pariser Klimaabkommen. Zudem verhandelten die Teilnehmer des Weltklimagipfels über Maßnahmen, wie das so genannte 2-°C -Ziel erreicht werden kann. Der private Sektor wird gemeinsam mit dem öffentlichen Sektor eine wichtige Rolle dabei spielen, einen Paradigmenwechsel hin zu einer emissionsarmen Weltwirtschaft und zu klimaschonenden Entwicklungsmodellen einzuleiten.

Ein weiterer zu beachtender Aspekt ist, dass mehr als 800 Millionen Menschen weltweit in extremer Armut leben, 65 Millionen Menschen sind auf der Flucht – die Hälfte davon Kinder. Etwa 57 Millionen Kinder im Grundschulalter haben keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen – auch in den westlichen Ländern fehlt es ihnen oft an sozialer Teilhabe. Mit Ziel 17 der Agenda 2030 wollen die Vereinten Nationen globale Partnerschaften für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben erfüllen, indem sie wirksame öffentlich-private und zivilgesellschaftliche Kooperationen fördern.

Globale Unternehmen wie die Deutsche Bank können mit ihrem gesellschaftlichen Engagement einen wichtigen Beitrag leisten, insbesondere dann, wenn sie die einzelnen Projekte wirkungsorientiert und gemeinsam mit starken Partnern aufsetzen. Immer mehr geht es darum, die soziale Verantwortung und das Geschäft eines Unternehmens – im Sinne des sogenannten Shared Value-Ansatzes – in Einklang zu bringen.